Posted in Angola 15. Jun, 2011
Gernot Sentefol, ein Pionier der Safari- und Touristik-Branche, ist am 26. Mai 2011 im Alter von 74 Jahren in Windhoek verstorben. Er hinterlässt zwei verheiratete Töchter und vier Enkel. Seine Frau ist ihm vor einem Jahr vorausgegangen.
Der Name Gernot Sentenfol ist synonym mit den Tour-Unternehmen SWA Safaris und Southern Cross Safaris. Als gelernter Autoschlosser – im Automobilbetrieb Sam Cohen war er zur Lehre – mit Hang und Liebe zur Natur war er vor allem in den Anfangsjahren der einfachen Gruppenfahrten der ideale Safari-Leiter, der sich bei Motorenschaden zu helfen wusste, der es jedoch mit seiner Frau verstand, die ihn auf vielen Fahrten begleitete, aufmerksam auf das Wohl der Fahrtenteilnehmer zu achten. Das hat ihm auch Auszeichnungen von Reiseunternehmen eingebracht.
Bezeichnend für seine Passion für gute Fahrten war sein Einstieg. Als 16-Jähriger schlüpfte er wie ein „blinder Passagier“ auf das Safari-Fahrzeug seines Onkels und versteckte sich unter der Plane, um so als einziger Jugendlicher auf drei Wochen mit ins damalige Betschuanaland (heute Botswana) zu kommen. Nach seiner Lehre als Autoschlosser arbeitete er bei SWA Safaris und leitete viele Angola-Touren. Er erprobte eigens für Safaris umgebaute Fahrzeuge wie einen Tourbus, der in Johannesburg auf deutscher Karosserie montiert worden war und den er 260000 Kilometer weit gefahren hat. Zu seinem Werdegang gehörte auch ein Zeitabschnitt, als er Transportfahrer war und von Farm zu Farm Milch und Gemüse einsammelte.
Ab 1967 wurde es für den Tourismus wegen des Unabhängigkeitskrieges in Angola zu unsicher. Gernot Sentefol machte sich darauf mit der Autowerkstatt Auto Repairs selbständig. Auf Anregung seines Bruders Uwe kehrte er 1981 jedoch ins Safarigeschäft zurück und betrieb seine eigene Firma: Southern Cross Safaris. Er machte sich vor allem einen Namen durch naturnahe Camping-Safaris, bei denen die Teilnehmer Abenteuer- und Entdeckergeist erfahren konnten. Die Erfahrung solcher Fahrten stammte aus den Anfangsjahren der Gruppenreisen, die für Einheimische veranstaltet wurden, denn der Tourismus aus Übersee hatte noch nicht begonnen. Fahrten auf offenem Lastwagen und das Übernachten im Freien ohne Zelt waren gang und gäbe. Die Fahrtenteilnehmer lösten sich am Lagerfeuer lediglich zur Nachtwache ab. Gernot Sentefol kam aus dieser Fahrtenkultur, hat seinen Gästen dann jedoch mehr Camping-Komfort geboten. Bei seinen Touren war es üblich, dass die Fahrgäste an verschiedenen Tagen die Sitze gewechselt haben, damit sie sich besser kennen lernten.
Sentefol hat sich sehr für den schonenden Tourismus ausgesprochen. Der Devisenbringer Fremdenverkehr in der empfindlichen Natur des südlichen Afrika sollte gerade in Namibia nicht in Massentourismus ausarten. Seine positive Einstellung dürfte in der Branche weiter wirken.
Posted in Angola 13. Jun, 2011
Agualusas Roman ist eine Mischung aus Politthriller und Künstlerroman und eine Hommage an Angola, das durch die portugiesische Kolonialherrschaft geprägt ist. Der regimekritische Schriftsteller Falcato und die Sängerin Kianda, die ihren plötzlichen Ruhm nicht verkraftet, verfallen einander.
Der 1960 geborene José Eduardo Agualusa gilt mittlerweile als der erfolgreichste und bekannteste Schriftsteller aus Angola, dem von Kolonialismus und Bürgerkrieg gepeinigten Land im südlichen Afrika, das trotz aller Entwicklungsrückstände einen beeindruckenden kulturellen Reichtum aufweist. “Barroco tropical”, Agualusas dritter ins Deutsche übersetzter Roman, ist vom Genre her eine eigenartige Mischung zwischen Politthriller und Künstlerroman, zugleich aber auch eine Hommage an eine kulturelle Vielfalt, die sich nicht zuletzt der portugiesischen Kolonialherrschaft verdankt. Diese hat die angolanische Kultur zusammen mit der brasilianischen und portugiesischen in einen inspirierenden transatlantischen Rahmen gespannt, der keineswegs zufällig mit dem historischen Dreieck des Sklavenhandels identisch ist.
In diesem Dreieck bewegen sich die Agualusas Hauptfiguren: Der bekannte Schriftsteller Bartolomeu Falcato, wie Agualusa selbst ein hellhäutiger Nachfahre der Portugiesen, und die erfolgreiche Sängerin Kianda, in deren Gestalt Agualusa die angolanisch-portugiesische Musik feiert. Spannung bezieht das Buch, das in einer nahen, grotesk die Gegenwart spiegelnden Zukunft angesiedelt ist, weniger aus den verworrenen – und verwirrenden – Intrigen, in die Falcato und Kianda geraten, als aus ihren persönlichen Dramen.
Falcato versteht sich als regimekritischer Schriftsteller, ist aber als bekannte Persönlichkeit und Schwiegersohn eines Generals Teil des Establishments. Die schöne Kianda ist eine Aufsteigerin mit afrikanischen Wurzeln, die ihren plötzlichen Ruhm nicht verkraftet und zur Borderlinerin wird. Falcato und Kianda lernen sich in Brasilien kennen und verfallen einander.
Die zahlreichen anderen Figuren bleiben bei all ihrer Kuriosität Dekoration: eine neunzigjährige Seelenheilerin Mãe Mocinha; ein ehemaliger Minensucher mit zerstörtem Gesicht, der eine Mickey-Mouse-Maske trägt und sie dem Schriftsteller gelegentlich ausleiht; eine ehemalige Miss Angola, die aus einem Hubschrauber geworfen wird, weil sie Jesusvisionen hat und die intimen Geheimnisse der politischen Elite auszuplaudern droht.
“Barroco tropical” ist postmodern im besten wie im schlechtesten Sinn des Wortes. Ebenso zahlreich wie beliebig sind die Anspielungen auf literarische Werke und Schriftsteller. Neben den Kolportageelementen stehen jedoch lesenswerte essayistische Passagen, etwa über das Verhältnis des angolanischen Portugiesisch zu den afrikanischen Sprachen im Land oder über die wechselseitigen künstlerischen Inspirationen im lusophonen Dreieck, die der portugiesischsprachige Dichter Virgílio Lemos aus Mosambik “tropisches Barock” genannt hat.
Zweifellos kennt die postkoloniale Literatur aus den Rändern der ehemaligen Imperien feiner gearbeitete Romane. Dennoch bietet “Barroco tropical” eine unterhaltsame, zuweilen verstörende Story. Ihr nicht geringer Verdienst ist es, uns das unbekannte Angola, seine Kultur und seine Menschen, sehr nahe zu bringen.
José Eduardo Agualusa: “Barroco tropical”
Roman
Aus dem Portugiesischen von Michael Kleber
A1 Verlag, München 2011
336 Seiten, 22,80 Euro
Posted in Angola 08. Jun, 2011
Ab dem 30. September 2011 taucht auch die Hauptstadt Angolas im Flugplan der Iberia auf. Immer freitags und montags startet dann IB-6321 um 0.20 Uhr in Madrid und erreicht um 6.55 Uhr Luanda. Aus Deutschland bietet Iberia Anschlüsse aus Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München. Der Flug mit Airbus A-340-300 ist bereits buchbar.
Posted in Angola 08. Jun, 2011
Das einst vom Bürgerkrieg zerrissene Angola ist auf dem Weg zum grössten Ölproduzenten Afrikas.
Mit Hilfe ausländischer Ölmultis will das im Südwesten des Kontinents gelegene Land 2012 Nigeria als Nummer eins ablösen. Analysten zufolge verdankt die ehemalige Kolonie Portugals ihre Aufholjagd vor allem den Bemühungen, die Ölfelder vor der Küste auszubauen und dabei in immer grössere Tiefen vorzudringen. Die von Analysten erwarteten Fördermengen von mehr als zwei Millionen Fass (159 Liter) pro Tag dürften dabei nicht nur die Kassen des Staates füllen – sondern auch die Abnehmer in Asien und den USA beruhigen. Denn die Unruhen in der arabischen Welt hatten in diesem Jahr immer wieder die Sorge vor Lieferengpässen aufkommen lassen. Nachdem auch Libyen als drittgrösster Ölproduzent Afrikas infolge der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen ausgefallen ist, hatte sich Öl der Nordsee-Sorte Brent zeitweise auf bis zu 127 Dollar je Fass verteuert. In Angola, wo von 1975 bis 2002 einer der blutigsten Bürgerkriege des Kontinents tobte, sind die Machtverhältnisse nach dem Wahlsieg der Regierungspartei MPLA 2008 dagegen vergleichsweise stabil. Viel Gewinn für kleine Elite. Nach Einschätzung von Transparency International gehört das Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) aber zu den 15 korruptesten Staaten der Welt. Die Gewinne aus dem Ölgeschäft bleiben einer kleinen, regierungsnahen Elite vorbehalten. Ein Grossteil der Öl-Produktion stammt derzeit noch aus der Exklave Cabinda, wo sich die um Unabhängigkeit kämpfenden Rebellen zuletzt dem immer stärker werdenden Druck angolanischer Truppen beugen mussten. 2010 war es in Cabinda zu einem Anschlag auf die Fussball-Nationalmannschaft Togos gekommen, bei dem mehrere Menschen starben. Da auf hoher See weniger Zwischenfälle zu erwarten sind, ist der Ausbau der Offshore-Förderung für die Regierung in Luanda von zentraler Bedeutung. Öllieferungen machen über 90 Prozent der Exporte des Landes aus. «Die Tiefseebohrungen spielen eine wichtige Rolle in der angolanischen Öl-Industrie», sagt Justin Jacobs, Analyst von Business Monitor International. Bis 2017 rechnet er mit einer Ölproduktion in Angola von 2,4 Millionen Fass am Tag. Sein Kollege Martin Kelly von Wood Mackenzie geht davon aus, dass das Land bereits 2012 mehr als 2,2 Millionen Fass pro Tag erreichen wird. 2011 war die Fördermenge zunächst gesunken, weil es technische Probleme an dem von BP und Sonagol Sinopec International betriebenem Ölfeld Plutonio vor der Küste gegeben hatte. Analysten zufolge sollte nach der Behebung der Probleme und durch die Inbetriebnahme neuer Förderanlagen von BP und Total der Ausstoss um 470’000 Fass am Tag erhöht werden. Kaum Gegenreaktionen Analyst Jacobs rechnet nicht damit, dass es bei der von Umweltschützern kritisierten Technik der Tiefseebohrung vor der westafrikanischen Küste ähnliche Gegenreaktionen geben wird wie in den USA. Im Golf von Mexiko hatte der Untergang der Offshore- Plattform «Deepwater Horizon» 2010 die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst. Ähnlich wie Angola in Cabinda hat auch Nigeria, die bisherigen Nummer eins des Kontinents beim Ölexport, seit Jahren mit Spannungen im ölreichen Niger-Delta zu kämpfen. Dort fordert die Bevölkerung eine Beteiligung an den Gewinnen aus der Ölförderung sowie Entschädigungen für die von der Industrie verursachten Umweltschäden. Rebellen greifen in dem Gebiet immer wieder Förderanlagen und Mitarbeiter an. Deshalb sehen Analysten in der starken Konzentration der Ölfelder an Land oder in seichten Gewässern als Nachteil für Nigeria. Obwohl Offshore-Anlagen ausgebaut werden sollen, stammen aktuell nur ein Viertel des in Nigeria geförderten Öls aus Tiefseebohrungen vor der Küste.
Posted in Angola 30. May, 2011
Für die nachhaltige Nutzung verschiedener kommerziell genutzter Fischarten im Benguelastrom vor der Küste Südafrikas, Namibias und Angolas soll ein weiteres Forschungsprojekt dafür sorgen, dass die drei Länder besser zusammenarbeiten und dass das gesamte Ökosystem bei der Nutzung beachtet wird.
Seit 1997 arbeiten die drei Länder Südafrika, Namibia und Angola im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte, wie dem BENEFIT und BCLME und jetzt dem BCC (Benguela Current Commission) Project eng zusammen, um letztendlich das Ökosystem im Benguelastrom vor der südwestafrikanischen Küste zu schützen und nachhaltig zu nutzen. „Zuvor wurden Meeressressourcen anhand von geopolitischen Grenzen genutzt, eine Methode die von Wissenschaftlern verurteilt wurde. Dies haben auch die Länder am fischreichen Benguelastrom erkannt und sich dazu verpflichtet, die Ressourcen gemeinsam zu schützen und zu nutzen“, sagte Namibias Minister für Fischerei und Meeresressourcen, Bernhard Esau, am vergangenen Freitag. Anlass war die Bekanntgabe des BCC, für das die EU 1,5 Millionen Euro für das Ecofish-Projekt (Development of Ecological Sustainable Fisheries Practices in the Benguela Current Large Marine Ecosystem) bereitstellt, damit die drei Fischarten Bastardmakrele, Südafrikanische Sardine und Seehecht erforscht werden und eine gemeinsame moderne nachhaltige Nutzung dieser Ressourcen verwirklicht werden kann. Die Fischereiinstitute der drei Staaten haben zu dem Forschungsprojekt 30000 € beigetragen. Koordiniert werde das Projekt durch die Benguelastrom-Kommission (BCC) unter der Leitung des Namibiers Dr. Hashali Hamukuaya.
„Das Ecofish-Forschungsprojekt wird eine neue Sicht der Richtlinien zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung der Ressourcen im Benguela-Ökosystem ermöglichen, bei dem die verschiedenen Interessengruppen mit einbezogen werden“, sagte Esau. „In vier Jahren werden Forscher und Fischereiexperten aus Angola, Südafrika und Namibia zusammen mit Fachkräften der Technischen Universität Dänemarks neue Richtlinien für eine dem Ökosystem freundliche und nachhaltige Nutzung im Benguelastrom vorlegen“, sagte der Botschafter der EU, Raúl Fuentes Milani. Die neuen Richtlinien würden sich auf neue Erkenntnisse des Ökosystems, verbesserte Methoden der Bestandsaufnahme und Wünsche verschiedener Interessengruppen stützen. Dem EU-Botschafter zufolge werde das Projekt die drei Anliegerstaaten weiter näher zusammenrücken lassen und Nutzen aus vorigen Projekten ziehen.
Dem Leiter der BCC, Dr.Hamukuaya zufolge wird sich die Arbeit der Forscher auf die Seehecht-Schleppnetzfischerei Namibias und Südafrikas und auf den pelagischen Fang von Bastardmakrelen und Sardinen Namibias und Angolas konzentrieren. Wichtig seien dabei verbesserte Methoden der Bestandsaufnahme, genetische Studien um festzustellen welche Bestände sich vor welchen Ländern aufhalten, welche Auswirkungen Umwelteinflüsse (z.B. Wassertemperatur oder Algen) auf die Fangergebnisse haben und welche Rolle die verschiedenen Arten in der Nahrungskette spielen.
Ab Ende September 2011 fliegt die spanische Airline zweimal wöchentlich von Madrid in die angolanische Hauptstadt.
Iberia nimmt am 30. September 2011 eine neue Route in ihr Streckennetz auf: jeweils montags und freitags fliegt sie mit einem Airbus A340-300 von Madrid in die angolanische Hauptstadt Luanda. Es ist dies die erste Nonstop-Verbindung zwischen Spanien und Angola. Iberia rechnet mit durchschnittlich 3000 Passagieren pro Monat auf dieser Strecke, wovon 70% von einer anderen spanischen oder europäischen Stadt via Madrid nach Angola fliegen werden.
Luanda ist Iberias zwölfte Destination auf dem afrikanischen Kontingent und die zweite Langstreckendestination in Afrika nach Johannesburg.
Posted in Angola 25. May, 2011
Indiens Premierminister Singh weilt zurzeit in Afrika. Indien ist an Erdöl und anderen Bodenschätzen des Kontinents interessiert. Doch sein Rivale China verzeichnet in dem Rennen einen klaren Vorsprung.
Indiens Premierminister Manmohan Singh hat einen sechstägigen Besuch Afrikas begonnen. Im Mittelpunkt der Reise steht ein indisch-afrikanisches Gipfeltreffen in Addis Abeba, das am Dienstag begonnen hat und an dem neben Singh Regierungs- und Staatschefs aus 15 afrikanischen Ländern sowie ranghohe Vertreter der Afrikanischen Union teilnehmen. Bei dem Treffen dürfte das Problem der Piraterie vor der somalischen Küste zur Sprache kommen, das den Handel im Indischen Ozean stark beeinträchtigt. Zudem hofft Singh auf ein Versprechen seiner afrikanischen Amtskollegen, Indiens Kandidatur für einen ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat zu unterstützen.
Wachsender Energiebedarf
In seiner Eröffnungsrede kündigte Singh an, dass Indien in den nächsten drei Jahren Kredite in der Höhe von 5 Milliarden Dollar an afrikanische Staaten vergeben werde, um das Wachstum auf dem Kontinent anzukurbeln. Das energiehungrige Schwellenland ist sehr interessiert an engeren Beziehungen zu dem an Mineralien und Bodenschätzen reichen Afrika. Indien importiert bereits heute rund 70 Prozent seines Erdöls und Erdgases, und laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur dürfte sich sein Energiebedarf bis 2030 mehr als verdoppeln. Um die Abhängigkeit vom Nahen Osten zu reduzieren, hat Delhi den Fokus jüngst auf ölreiche afrikanische Staaten wie Nigeria und Angola gerichtet. Abgesehen davon ist es auch sehr interessiert an afrikanischem Uran für sein ambitiöses ziviles Nuklearprogramm.
China als Rivale
Die aufstrebenden asiatischen Riesen Indien und China rivalisieren derzeit weltweit um Verträge zur Deckung ihres wachsenden Bedarfes an Energie, Rohstoffen und Mineralien. Beide haben in den letzten Jahren versucht, ihren Einfluss in Afrika auszuweiten. Peking war dabei allerdings viel aggressiver und erfolgreicher. Laut Brahma Chellaney, Professor am Center for Policy Research in Delhi, liegt China in diesem Rennen rund ein Jahrzehnt vor Indien.
China hat im letzten Jahrzehnt bereits Milliarden in Afrika investiert. Es hat Strassen, Brücken, Eisenbahnlinien und Elektrizitätswerke gebaut und im Gegenzug Zugang zu afrikanischen Märkten und Ressourcen erhalten. Der bilaterale Handel zwischen China und afrikanischen Ländern ist 2010 auf rund 127 Milliarden Dollar gewachsen. Verglichen damit liegt Indien mit 46 Milliarden Dollar weit im Hintertreffen. Der indische Handels- und Industrieminister Anand Sharma hofft, den bilateralen Handel bis 2015 durch neue Initiativen im Infrastruktur- und Energiebereich auf 70 Milliarden erhöhen zu können.
Singh wird auf seiner Reise von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Afrika ist auch für indische Unternehmen, deren Expansionspläne zu Hause allmählich an Grenzen stossen, von grossem Interesse. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der in Afrika aktiven indischen Firmen vervielfacht. Momentan sind es rund 250. Sie sind vor allem in den Bereichen Telekommunikation, Pharma und Bergbau engagiert. Einige Beobachter sprechen in Anlehnung an das Ringen europäischer Mächte um Afrika vor dem Ersten Weltkrieg bereits von einem «new scramble for Africa».
China wird in einigen afrikanischen Staaten tatsächlich als eine Art neue Kolonialmacht wahrgenommen. Indien bemüht sich dagegen, sich als Partner zu präsentieren, der Afrika wertvolle Unterstützung im Bereich der Ausbildung und der Technologie zu bieten hat. Indien sei nicht nur an Afrikas Ressourcen interessiert, erklärt Shyamal Gupta von der Indischen Handels- und Industriekammer. Anders als China werde es nicht nur Rohstoffe aus Afrika importieren, sondern auch afrikanischen Firmen zeigen, wie sie diese selber verarbeiten und damit ihre Volkswirtschaften modernisieren könnten. So will Indien Botswana etwa helfen, in die Diamantenverarbeitung einzusteigen. Und in Uganda soll mit indischer Hilfe ein Institut entstehen, an dem lokale Firmen auf den globalen Wettbewerb vorbereitet werden.
Historische Bande
Im Vorfeld des Besuches hatte Singh auf die starken historischen Bande zwischen Indien und Afrika hingewiesen. Die Handelsbeziehungen über den Indischen Ozean seien jahrhundertealt, sagte er. Über ganz Afrika verstreut lebten heute rund zwei Millionen Bürger indischer Herkunft. Gleichzeitig betonte der Regierungschef einmal mehr, dass das Interesse Indiens an Afrika nichts mit der Rivalität mit China zu tun habe. «Hier geht es nicht um einen Wettbewerb mit China. Wir haben ein genuines Interesse an guten Beziehungen zu Afrika, das bald zum neuen Wachstumspol der Welt wird», sagte er. Indien wird freilich mit einiger Konkurrenz zu kämpfen haben.