Und Geld stinkt doch
Posted in Angola 16. Jul, 2011
Die Industriestaaten dieser Welt sorgen sich um Euro und Dollar. Gehen Griechenland, Portugal und Irland pleite? Was wird aus Italien? Und: Wie bewältigen die USA die Schuldenkrise? Angesichts dieser tatsächlich überaus brisanten Themen wird das Angebot der Kanzlerin an die angolanische Regierung, “sechs bis acht Patrouillenboote” zu liefern, zu einer Randnotiz der Tagespolitik.
Zu Unrecht, denn die Patrouillenboote, mit denen Angola seine See-Grenzen sichern will, sind – und da beißt die Maus keinen Faden ab – kleine Kriegsschiffe. Ohne Zweifel hat das 60-Millionen-Euro-Geschäft nicht die Brisanz des immer noch streng geheimen Rüstungs-Deals mit Saudi-Arabien.
Doch in Angola hat, wie in den allermeisten Staaten Afrikas, das Wort “Demokratie” eine völlig andere Bedeutung als in Europa oder in den USA. Das ist in dem westafrikanischen Land auch kein Wunder. Jahrzehnte lang hat ein blutiger, unerbittlicher Bürgerkrieg schmerzhafte Wunden geschlagen. Unermessliches Leid hat unermesslichen Hass hinterlassen. Auch wenn sich die Bürgerkriegsparteien von damals einigermaßen zusammengerauft haben. Ursache der brutalen Auseinandersetzungen zwischen UNITA und MPLA war sicherlich die koloniale Ausbeutung durch die Portugiesen. Denn sowohl die europäischen Ausbeuter als auch die beiden großen Milizen waren sich darüber im Klaren, dass im Boden des Landes reiche Vorkommen an Erdöl, Diamanten und seltenen Mineralien lagern.
Heute ist Angola ein Staat, der sich mit westlichen Maßstäben nicht messen lässt. Zum einen hat das Bantu-Land eine für afrikanische Verhältnisse enorme Wirtschaftskraft, zum anderen aber herrschen dort katastrophale Zustände im Gesundheits- und Bildungswesen. So müssen die Menschen mit der weltweit zweithöchsten Sterblichkeitsrate bei Säuglingen leben. Zigtausende sterben jedes Jahr an Krankheiten, die bei ausreichender medizinischer Versorgung leicht zu heilen wären. Veränderungen durchzusetzen ist aber schier unmöglich. Denn in Angola ist sich jeder selbst der Nächste – die Korruption blüht.
Und genau dorthin, in ein Land, das instabiler nicht sein könnte, sollen deutsche Rüstungsfirmen Kriegswaffen liefern. Angela Merkel, die politische Überfliegerin, begründet das mit dem atemberaubenden Satz, es sei in deutschem Interesse, wenn Afrika regionale Konflikte durch regionale Truppen selbst befrieden könne. Und dann setzt sie noch eins drauf. Angola, so sagt sie in Luanda mit dem Brustton der Überzeugung, setze sich für Stabilität ein. O, heilige Einfalt!
Afrika, der geschundene Kontinent, wird durch die Lieferung von deutschen Patrouillenbooten an Angola weder demokratischer noch instabiler. Da ist das Geschäft mit den Saudis schon von anderem Kaliber. Die Lieferung von Kriegswaffen in Krisengebiete, deren Entwicklung niemand vorhersagen kann, wirft grundsätzliche Fragen auf. Überwiegt das wirtschaftliche Interesse von Rüstungskonzernen die moralischen Ansprüche unseres Landes so sehr, dass die Bundeskanzlerin alle Bedenken kühl zur Seite schieben darf? Wohl nicht. Deutschland ist Mitglied der Nato, der westlichen Verteidigungsgemeinschaft also. Bei den Streitkräften dieser demokratisch geführten Staaten sind deutsche Waffen gut aufgehoben. In Angola und anderen Krisenstaaten kaum. Geld stinke nicht, sagten die alten Römer. Das stimmt nicht. Manchmal stinkt es sehr wohl.








